Von der Kinzig an die Ostsee

Ob Linoleum, Sand oder Schnee: Peter und Georg Wolf sind auf allen Böden zu Hause, wenn es um Volleyball geht. Die beiden Brüder aus Bad Soden-Salmünster haben ihre gemeinsame Liebe zum Baggern, Pritschen und Schmettern vor über 20 Jahren entdeckt. Seitdem spielen sie vor allem am Strand besonders erfolgreich.

Wo die Wellen der Ostsee geschmeidig auf die Küstenlinie treffen, tummeln sich immer im September die deutschen ­Talente im Beachvolleyball: beim Finale der German Beach Tour am Timmendorfer Strand. Der 29-jährige Peter Wolf und sein drei Jahre jüngerer Bruder Georg kommen hier regelmäßig unter die Top Ten. Angefangen haben die beiden indes ganz traditionell in der Halle beim TV Salmünster. Peter begann hier Ende der Neunziger mit dem Spielen, Georg agierte zuerst nur als Balljunge.

„Von Beachvolley sprach zu der Zeit in Deutschland noch niemand“, erinnert sich Peter Wolf.

Der künstlerische Aspekt stand schon damals im Vordergrund, wie Marcel Bender betont. Voneinander lernen, eine eigene Technik entwickeln und verfeinern – das begeisterte ihn. „Natürlich spielten auch der Nervenkitzel und der Reiz des Verbotenen eine Rolle“, bekennt der Künstler, der auch unter dem Pseudonym „Modes“ bekannt ist.

Die anfangs zweidimensionalen Buchstaben wurden immer aufwendiger gestaltet und schienen dank cleverer Spraytechnik für die Betrachter geradezu aus den Wänden zu ragen. Ein 3D-Effekt, der Marcel Bender nachhaltig geprägt hat. Der heutige Vater eines Sohnes entdeckte seine Begeisterung für das Bemalen ganzer Wände mit farbenfrohen, lebendigen Motiven. Und er erkannte, dass er mit der Zustimmung der Besitzer nicht nur entspannter arbeiten, sondern auch sein Taschengeld aufbessern konnte. So entwickelte sich die Untergrundkunst für ihn zu einem ­legalen Hobby.

„Ein Teil der Szene war von der Vorstellung, seine Kunst zu verkaufen, nicht gerade begeistert“, erinnert sich Marcel Bender.

Mit dem Hype um sonnengebräunte Damen und Herren vor traumhaften Strandkulissen ging es zumindest international 1996 los. „Bei den Sommerspielen in Atlanta war unser Sport das erste Mal olympisch“, so Peter Wolf. Die beiden Brüder spielten sich da noch durch die Jugendabteilungen von Salmünster und legten die Grundlage für ihre spielerische Finesse. Im Urlaub mit den Eltern am Strand nahmen die beiden als Teenager an ersten Turnieren teil. Im Main-Kinzig-Kreis ging es dann wieder in die Halle. Teilnahmen an Landes- und deutschen Meisterschaften und Spiele mit der Jugendnationalmannschaft folgten. Peter war auf Bundesligaebene bei den United Volleys Frankfurt aktiv. „Unsere Erfahrungen aus der Halle haben uns auf Sand ganz klar vorangebracht. Auch wenn Beachvolleyball im Grunde eine andere Sportart ist“, sagt ­Peter Wolf.

Beachvolleyball: viel Organisation neben dem Spiel

Im Hallensport stecken starke Organisationsstrukturen hinter den Teams und den Ligabetrieben, in die die Spieler eingebunden sind. Als Beachvolleyballer müsse man sich eigenständig Sponsoren suchen, Reisepläne schmieden sowie Training und Spiele planen. Vom Sport leben könne man darum nicht, ist Peter Wolf überzeugt. Umso wichtiger ist das Sponsoring. Auch die Kreiswerke unterstützten die beiden, zuletzt bei ihrer Turnierteilnahme in Düsseldorf.

Wenn sie nicht auf dem Platz stehen, studieren beide auf Lehramt – natürlich Sport – und peilen eine klassische Laufbahn an. Sportlich sind die beiden Herren in ihren Zwanzigern längst gleichauf: „Mit dem Bruder im Duo zu spielen ist positiv, weil man sich natürlich gut kennt und aufeinander abgestimmt ist“, erklärt der Ältere.

Seit 2013 spielen beide gemeinsam auf der German Beach Tour, dem höchsten Ligabetrieb auf nationaler Ebene im Beachvolleyball. Mit dem Höhepunkt an der Ostsee. „Da trifft und misst man sich mit den ganz Großen der deutschen Szene. Den ­Leuten, die auch bei Olympia starten“, erzählt Peter Wolf.