Vögel auf dem Rückzug

In Gärten, Parks und Wäldern im Main-Kinzig-Kreis tummeln sich vom Buchfink über die Kohlmeise bis zum Rotkehlchen zahlreiche Arten heimischer Vögel. Doch Vorsicht: Im Verlauf der letzten Jahre und Jahrzehnte ist diese farbenfrohe Vielfalt auch hier deutlich zurückgegangen, wie Dr. Karl-Heinz Schmidt, Leiter der Ökologischen Forschungsstation Schlüchtern, dokumentiert hat. Dafür gibt es unterschiedliche Ursachen.

Seit 1970 beobachtet der promovierte Biologe die heimischen Vögel das ganze Jahr über. Die Zeit von März bis Juli ist besonders ereignisreich für ihn und sein Team. In der Brutzeit besuchen die Forscher jede Woche rund 1.500 Nistkästen aus Holzbeton.

„Wir untersuchen unter anderem, wie viele Eier die Tiere legen, wie viele Jungvögel geschlüpft sind, wie viel sie wiegen und wie viele der Tiere das Nest verlassen“,  erklärt Karl-Heinz Schmidt.

An den Füßen angebrachte Ringe, die von der Vogelwarte Helgoland zur Verfügung gestellt werden, helfen den Biologen, das Verhalten und den Lebensablauf einzelner Individuen möglichst genau zu beobachten. Zusätzlich fangen die Biologen ab August bis Ende März wöchentlich Vögel an Futterstellen und kontrollieren in den Wintermonaten übernachtende Vögel in Nistkästen.

Die Beobachtungen sind alarmierend: In knapp 40 Jahren sind zwei Drittel aller Bestände zurückgegangen. Von ursprünglich  21 Vogelarten sind heute nur noch sieben nachweisbar. Deren Bestand ist zudem stark geschrumpft.

„Die Stickoxide aus Schädlingsbekämpfungsmitteln im Ackerbau sowie Abgase übersäuern den Waldboden und führen dazu, dass vor allem die Wurzeln von Eichen absterben und die Bäume buchstäblich umkippen“, berichtet der Biologe.

Gerade diese alte Baumart bietet Meisen und Kleibern wichtigen Lebensraum. Der Klimawandel und der Einsatz von stickstoffhaltigen Düngern beschleunigen den Abwärtstrend zusätzlich. Was also tun?

„Ausreichend Eichen pflanzen und vor allem auf eine umweltschonende Form der Bewirtschaftung von Feldern setzen“, empfiehlt Karl-Heinz Schmidt.

In Breitenbach haben fünf Landwirte genau das gewagt: Dort bewirtschaften sie gemeinsam eine rund 200 Hektar große Fläche nach den Prinzipien der ökologischen Landwirtschaft. Erste Rebhühner
sind nach Jahren der Abwesenheit wieder aufgetaucht. Auch im eigenen Garten können Tierfreunde etwas tun. Heimische Pflanzenarten wie der Haselnussstrauch und wilde Grün flächen locken eine Vielzahl von Insekten an, die den ansässigen Vögeln als wichtige Nahrungsquelle dienen.

Magst du ein Nistplätzchen, Spatzl?
Einige heimische Vogelarten brüten noch bis in den Spätsommer hinein. Wer ihnen ein kleines Refugium schaffen möchte, findet hier eine passende Bauanleitung dazu »

» www.forschung-oefs.de