Tradition trifft auf Moderne

Fachwerk trifft Glas, Geschichte trifft Gegenwart. Doch das war nicht immer so: Im Jahr 2010 wurde ein Abrissantrag für die alten Gebäude gestellt, im September 2025 erhielt das Wegelager in Burgjoß den Hessischen Denkmalschutzpreis für die Restaurierung des Hofes. Doch wie kam es zu dieser Wendung?
Thomas Schreiber, einer der insgesamt vier Initiatoren des Wegelagers, erzählt: „2016 habe ich den Hof von meinen Eltern übernommen. Damals stand er bereits unter Denkmalschutz und meine Frau und ich haben überlegt, wie wir den Hof nutzen können.“ Für ihn als Lehrer war klar, dass er den landwirtschaftlichen Betrieb nicht weiterführen würde. Im Lauf der Zeit und durch einen aktiven Vorstoß eines befreundeten Paares, die Familie Oestreicher, entstand die Idee, den Hof gemeinsam in einen Ferienhof umzuwandeln.
Das „Wegelager“ entstand
Gesagt, getan. Doch der Weg bis dahin war aufwendig und hielt neben vielen geplanten Schritten auch zahlreiche Überraschungen bereit.
„Aufgrund des Denkmalschutzes galt es, besonders viele Auflagen zu erfüllen. Zahlreiche Gespräche mit Expertinnen und Experten, Planern und Architekten waren erforderlich“, berichtet Thomas Schreiber.
Hierbei zeigte sich, dass nicht alle Gebäude wirtschaftlich in Ferienwohnungen umgewandelt werden konnten. „Rückblickend ein Geschenk.“ Denn genau für die Scheune erhielt das Wegelager jetzt die Auszeichnung. Nach vielen Gesprächen, ersten Planungen durch Architekten und dem Sichten von Förderprogrammen fiel dann 2020 schließlich die Entscheidung, das Projekt zu wagen und die Arbeiten zu starten. So galt es von 2020 bis zur Fertigstellung 2023, allen Unwägbarkeiten zu trotzen und gemäß den Fördervorgaben fristgerecht die einzelnen Gewerke fertigzustellen.

Regionalität hat beim Bau geholfen
„Wir haben von Beginn an auf regionale Unternehmen gesetzt. Ohne enge Zusammenarbeit und Abstimmung untereinander wäre es uns nicht möglich gewesen, alles termingerecht fertigzustellen. Denn gerade Lieferengpässe, wie etwa bei Holz, haben die Zeitpläne zusätzlich strapaziert“, berichtet Wencke Oestreicher.
In nur drei Jahren schafften es die vier, die gesamte Außenanlage, drei Gebäude und diverse Tiefbauarbeiten mit Hilfe der beauftragten Unternehmen fertigzustellen.
Nachhaltige Rohstoffe standen im Fokus
Dabei legten sie großen Wert auf eine nachhaltige Umsetzung des Bauvorhabens. Mit Hilfe von PV-Anlagen samt Speicher, mit zwei Regenwasserzisternen für die Außenanlage sowie Baustoffen ohne Erdöl – wie etwa speziellen Putzen oder Lehm und Hanf- oder Holzwolle für die Dämmung – wurde das Gebäudeensemble nachhaltig saniert und wird nun auch nachhaltig betrieben.
Die Scheune – das Herzstück
Zahlreiche Gäste aus ganz Deutschland haben seit 2023 den Hof besucht, schätzen und lieben gelernt. Allem voran die Spa-Scheune – das Herzstück des Hofes. Sie ist für Übernachtungsgäste gleichermaßen nutzbar wie für Gruppen mit bis zu acht Personen, die die Scheune für drei Stunden mieten können.

„Die Gästestruktur ist anders als von uns ursprünglich erwartet“, gesteht Thomas Schreiber. Ursprünglich hatten sie mit mehr Gästen gerechnet, die zum Wandern oder Mountainbiken in die Region kommen. Doch die unerwartete Entwicklung ist toll und erfreut die Betreiber. Vor allem am Wochenende sind die Ferienwohnungen ausgebucht. Meist durch Gruppen, die verstreut aus ganz Deutschland anreisen und sich freuen, einen zentralen Treffpunkt mit viel Privatsphäre und direkt in der Natur gelegen gefunden zu haben. Das bestätigen auch die erneuten Buchungen der Familien- und Freundesgruppen.
Doch zurück zur Scheune.
„So sehr uns dieses Gebäude vor besondere Herausforderungen gestellt hat, so besonders ist es nun geworden“, sagt Beate Schreiber.
Und das in vielerlei Hinsicht. Um dem Denkmalschutz zu entsprechen, galt es, die Hülle der Scheune nahezu unberührt zu lassen. Kein Balken durfte verändert oder gar herausgenommen werden. Nach zwei unterschiedlichen Planungskonzepten entschieden sich die vier für eine Art Haus-in-Haus-Lösung. Drei „Innengebäude“ aus Holz wurden so in die Scheune integriert, dass drei verschiedene Räume entstanden: die Sauna, der Ruheraum und ein Raum für die sanitären Anlagen. Alle so konzipiert, dass sie jederzeit wieder ausgebaut werden können, ohne Spuren zu hinterlassen. Dabei wurde ein starker Kontrast geschaffen, denn der Putz der Innengebäude mutet wie Beton an.

Einzigartig im Main-Kinzig-Kreis und in ganz Hessen
Wie einzigartig dieses Gesamtkonzept in Hessen ist, zeigt nicht zuletzt die Auszeichnung. Und das Konzept überzeugt auch die Gäste. Die Mischung aus Alt und Neu, Moderne und Tradition ist überall zu finden, auch in den Ferienwohnungen. Darauf sind alle vier stolz. Ein Gebäude steht noch aus, das wohl älteste des Hofs.
„Dafür gilt es noch ein besonderes Konzept zu finden. Wir haben von Beginn an gesagt, dass wir dieses erst mit Abstand angehen werden“, erklärt Dominik Oestreicher.
Das Gebäude stammt aus der Zeit um 1780. Ein wahres Geschenk, dass es die Zeit überdauert hat. So sah das wohl auch die Denkmalschutzbehörde, als 2010 der Abrissantrag für den Hof gestellt wurde. Denn erst daraufhin wurde er unter Denkmalschutz gestellt und das Wegelager konnte entstehen.
Noch mehr Einblicke finden Sie auf der Webseite des Wegelagers und auf Instagram: