Rehkitzrettung per Drohne – Tier- und Naturschutz vor unserer Haustür

Große braune Augen, vorsichtige Schritte am Waldrand: Begegnungen

mit Rehen oder Rehkitzen berühren viele Menschen. Damit dieses Miteinander in unserer heimischen Landschaft auch künftig erhalten bleibt, engagiert sich der Verein „Tier- und Naturschutz Unterer Vogelsberg e. V.“ (TiNa) seit nunmehr neun Jahren. Mit einem groß angelegten Projekt verbindet der Verein modernen Tierschutz mit gelebter Verantwortung für Natur und Landwirtschaft in unserer Region.

„Wir müssen etwas TUN!“

Manchmal sind es solche einfachen Sätze, die Menschen erreichen und Großes bewirken. Mit dieser Haltung begann, kurz gesagt, die Initiative zur Rehkitzrettung. Ihren Ursprung hat sie in Birstein, heute ist sie deutschlandweit aktiv und künftig sogar im europäischen Ausland im Einsatz, um Jungtiere zu schützen.

Die Initiative „Kitzrettung-Hilfe“ wurde von TiNa ins Leben gerufen. Sie hat es sich zur Aufgabe gemacht, Rehkitze und Feldhasen zu retten, die von ihren Muttertieren zum Schutz im hohen Gras abgelegt werden – bevorzugt auf Wiesen, die an Waldgebiete angrenzen. Die Tiere sollen dadurch vor anderen Tieren, etwa Raubvögeln, geschützt werden. Feldhasen werden sogar gezielt so platziert, dass sie jederzeit in Laufnähe zur Mutter bleiben können.

Die Strategie der Natur: Die Jungtiere besitzen keinen Eigengeruch und sind deshalb perfekt versteckt vor natürlichen Feinden. Was sie vor Raubvögeln schützt, wird jedoch durch moderne Landmaschinen zur tödlichen Falle. Mähdrescher und Mähwerke erkennen die reglos im Gras liegenden Tiere nicht. Und ein natürlicher Fluchtreflex ist noch nicht ausgeprägt. Wie viele Kitze und Hasen jährlich bei der Mahd ums Leben kommen, lässt sich nicht exakt beziffern, doch die Dunkelziffer dürfte hoch sein. Gespräche mit Landwirten, Jägern und Biologen in den Kommunen zeigen: Das Problem ist bekannt und allgegenwärtig.

 

Um ihm aktiv zu begegnen, haben die Verantwortlichen von TiNa e. V. einen „Runden Tisch“ ins Leben gerufen. Ziel ist der offene Austausch zwischen Jägerschaft, Landwirtschaft und Naturschutz, um gemeinsam praktikable Lösungen zu entwickeln. Zudem hat Barbara Bausch, Vorstandsmitglied des Vereins, eine Ausbildung zur Jägerin absolviert. Mit diesem fachlichen Fundament stärkt der Verein sein Engagement für einen möglichst umfassenden und wirksamen Schutz der heimischen Tierwelt.

„Knapp 600 Drohnenpilotinnen und -piloten, über 500 Kitzrettungs-Organisationen sowie mehrere tausend freiwillige Helferinnen und Helfer sind im Einsatz und retten so jedes Jahr zahlreiche Tiere vor den Mähwerken. Um mit eigenen Drohnen tätig zu werden, gründeten TiNa-Mitglieder im Jahr 2021 zudem den Tochterverein FreiKitz e. V., der sich ausschließlich der Jungwildrettung verschrieben hat.“

Um dieses Modell bekannt zu machen, ist nach wie vor viel Aufklärungsarbeit notwendig. Das bestätigt auch Barbara Bausch, die sich in diesem Bereich besonders engagiert und regelmäßig Vorträge hält, um für das Thema zu sensibilisieren und neue Unterstützerinnen und Unterstützer zu gewinnen.
 

Tierschutz für alle Tiere „vor unserer Haustür“ 
Dabei bestand der Verein bereits lange, bevor die Verantwortlichen auf die besondere Gefährdung von Rehkitzen aufmerksam wurden. Gegründet wurde TiNa e. V. im Jahr 2013 auf Initiative der Tierärztin Ulrike Schott, von der der Verein seit Beginn fachlich kompetent begleitet wird. Ihr Selbstverständnis bringt Barbara Bausch auf den Punkt:

 „Uns ging und geht es immer um das Tierwohl im Allgemeinen. Dabei ist es zunächst unerheblich, um welches Tier es sich handelt. Wir setzen uns für alle Tiere gleichermaßen ein. Sinnvoll und nicht ideologisch.“

Ein zentraler Anspruch des Vereins ist die fachliche Kompetenz. Der Vorstand legt großen Wert darauf, dass sich die Ehrenamtlichen dort einbringen, wo sie ihre Stärken sehen und sich mit den jeweiligen Aufgaben gut auskennen. Entsprechend hat sich der Verein gezielt Expertise aufgebaut; einzelne Mitglieder haben Aus-, Fort- oder Weiterbildungen absolviert, um Tierschutzarbeit fundiert und verantwortungsvoll leisten zu können. Denn der Schutz der Tiere ist vielseitig und vielschichtig: Er reicht von der Rettung per Drohne über die Aufnahme und Vermittlung von Fundtieren ohne Zuhause bis hin zum Schutz freilebender Tiere, etwa vor Krankheiten.

„Unsere Helferinnen und Helfer sind teilweise Tag und Nacht, im Sommer wie im tiefsten Winter unterwegs, wenn Tiere Hilfe benötigen“, berichtet Barbara Bausch. „Dazu gehört 
auch die Kontrolle von Fallen, die gezielt aufgestellt werden, um freilebende Tiere wie Katzen auf ihren Gesundheitszustand zu überprüfen.“

Das kann jeder tun

  • Aktiv unterstützen: Der Verein sucht stets helfende Hände. Für jeden und jede findet sich eine passende Aufgabe.
  • Pflegestelle werden: Aufgefundene Tiere, meist Katzen, können vorübergehend aufgenommen und bis zur Vermittlung in ein neues Zuhause betreut werden.
  • Richtig handeln: Freilebende Tiere, etwa Wildkatzen, sollten niemals unkontrolliert gefüttert werden. 
  • Sichtungen können dem Verein gemeldet werden.
  • Risiko minimieren: In der Brut- und Setzzeit sollten Hunde angeleint werden, um das Jungwild nicht zu gefährden.

 

Weitere Informationen zum Verein, zu den Tätigkeitsfeldern oder Möglichkeiten zur Unterstützung finden Sie hier:
https://tina-uvb.de/