Der Herr der Matte

Die Energie eines Angreifers ableiten und sich so selbst verteidigen – das macht den Kern des Ju­Jutsu aus. Rado Mollenhauer ist Meister dieser Kampfsportart und Medaillensieger bei Welt-,Europa und deutschen Meisterschaften. Zu Hause ist er im Main-Kinzig-Kreis.

Mollenhauer WM 2019

Seit acht Jahren lebt und arbeitet der Polizist in der Nähe von Wächtersbach. „Ich bin im Main-Kinzig-Kreis verwurzelt“, sagt der Sportler, der beim Judoclub in der ehemaligen Residenzstadt aktiv ist und bis vor kurzem noch regelmäßig im Liga- betrieb seines Vereins andere auf die Matte schickte. Seine Herzensangelegenheit ist aber eindeutig Ju-Jutsu.

„Wir Aktive bezeichnen unseren Sport gerneals Zehnkampf der Leichtkontaktsportarten“, erklärt der Sportler.

„Er vereint Aspekte des Judo, Karate und Aikido mit Techniken aus dem Wurf-, Tritt- und Bodenkampfbereich.“ Viele betreiben das als intensives Fitnesstraining, andere haben sich auf den Bodenkampf des Brazilian Ju-Jutsu spezialisiert und einige sind Einzelwettkämpfer – wie Rado Mollenhauer. Seine sportliche Vita ist von Wettbewerben auf deutscher und internationaler Ebene geprägt und er hat als Mitglied der Ju-Jutsu-Nationalmannschaft bereits an einigen Welt- und Europameisterschaften teilgenommen. Dass der Sport zudem nicht nur etwas für Jugendliche ist, beweist er als Landestrainer für Senioren in Hessen.

„Ein wichtiger Punkt ist, dass Ju-Jutsu eine defensi- ve Kampfsportart ist“, beschreibt Rado Mollenhauer. Daher sei sie auch in Sportgruppen der Polizei sehr verbreitet. Die Energie eines Angriffs – zum Beispiel eines Schlages – wird angenommen und in einer aus-gleichenden Bewegung abgeleitet, um den Angreifer außer Gefecht zu setzen. Siegen durch Nachgeben heißt dieses Grundprinzip. Eine Einstellung, die der Polizist auch als Dozent an der Hessischen Hochschule für Polizei und Verwaltung am Standort Mühlheim im Fach Einsatztraining lehrt. Seine Schüler dort sind Kommissaranwärter und -anwärterinnen aus ganz Hessen.

Seinen Beruf, die Lehrtätigkeit und den Sport miteinander zu vereinen, dabei hat Mollenhauer die Spitzensportförderung der hessischen Polizei geholfen. Der 34-Jährige wollte sich 2020 eigentlich aus dem Leistungssport auf Wettkampfebene verabschieden. Dem hat Corona einen Strich durch die Rechnung gemacht. So hofft er nun auf die „World Combat Games 2021“ als krönenden Karriereabschluss, um sich gebührend aus dem Leistungssport zurückziehen zu können. Obwohl sein Alter im Schwergewichtbereich keine Hürde darstellt, sei nun die Zeit, einen Schlussstrich zu ziehen. „Das ist so ein Kopfding“, meint er. In Zukunft will er sich stärker auf die Familie konzentrieren und den Sport unter Fitnessaspekten weiter betreiben. Bei Wettbewerben auf nationaler Eben zumindest wird man ihn als Trainer wiedersehen.